Rundbrief Sommer 2016

Im Institut für Bibelübersetzung denken wir ständig über die Bedeutung unserer Aufgabe nach, die Bibel in die „Herzenssprache“ der Menschen zu übersetzen. Was meinen wir aber, wenn wir von der „Herzenssprache“ reden? Als Erstes denken wir wohl an die Sprache, welche eine Person in ihrem Alltag braucht, die Sprache, in der es ihr am leichtesten fällt, anderen Menschen etwas mitzuteilen. Nun ist es aber interessant festzustellen, dass dieses anscheinend so klare Bild zu verschwimmen und seine festen Umrisse zu verlieren beginnt, je mehr wir mit Vertreterinnen und Vertretern von verschiedenen Volksgruppen und Kulturen sprechen, die sich mit dem IBÜ für die Bibel und deren Übersetzung engagieren. Das ist überraschend! Es scheint eher, dass das Konzept der „Herzenssprache“ tiefer greift als die Sprache an sich und die gesamte kulturelle Weltsicht mitsamt den Ebenen der tiefsten Gefühle, der Kindheit und sogar des genetischen Gedächtnisses umfasst.

Rundbrief Frühling 2016

Mit diesem Rundbrief möchten wir Sie an einer wunderbaren Geschichte teilhaben lassen, die in einem unserer muslimischen Übersetzungsprojekte so passiert ist. Wir werden nicht sagen, um welches Volk es sich handelt, damit die Protagonisten nicht in Gefahr kommen. Wir haben zwei Übersetzer in diesem Projekt, nennen wir sie Eva und Josef (das sind nicht ihre wirklichen Namen). Das war aber nicht immer so. Während vielen Jahren arbeitete Eva allein an der Übersetzung. Obwohl sie nicht Christin ist, widmete sie 15 Jahre ihres Lebens der Bibelübersetzung,. Es gibt, soweit dies bekannt ist, keine Christen unter den Vertretern ihrer Volksgruppe, nicht einen Einzigen. Wie die meisten Angehörigen ihres Volks, hat Eva einen muslimischen Hintergrund. Sie ist Journalistin und eine Spezialistin ihrer Muttersprache.

Rundbrief Winter 2015–2016

Wahrscheinlich hat jede Nation oder jede Volksgruppe (oder wenigstens die Mehrzahl unter ihnen) ihre Heldengeschichten, doch nur wenige unter ihnen können für sich beanspruchen, dass ihr nationales Epos auf der biblischen Geschichte gründet. Ein solches Volk sind die Kirgisen. Ein kirgisischer Übersetzer des IBÜ berichtet uns, was er für Gemeinsamkeiten zwischen der kirgisischen Heldengeschichte und der Bibel findet. „Das kirgisische Epos ist das umfangreichste der Welt, und wir sind sehr stolz darauf. Es heisst ‚Manas‘. Ich bin zum Schluss gekommen, dass einige Handlungsstränge auf biblische Erzählungen zurückgehen...

Rundbrief Herbst 2015

Als der Apostel Paulus in Athen Jesus und seine Auferstehung verkündigen wollte, wurde er zum Areopag geführt, da „alle Athener und die Fremden dort nichts lieber taten, als die letzten Neuigkeiten zu erzählen oder zu hören.“(Apg. 17,21) Indem er auf dem Areopag predigte, folgte Paulus einfach der Idee, dass man die Menschen dort abholen sollte, wo sie sind, und nicht dort, wo wir Christen sie haben möchten. Menschen, die etwas Neues hören wollen, suchen nicht notwendigerweise nach Gott, und vielleicht finden sich in der Menge nur wenige, die wirklich bereit sind, auf Gott zu hören. Paulus hatte jedoch keine Angst, vergeblich zu reden. Er tat das, was Gott ihm aufgetragen hatte, und der Herr selber würde den Rest tun. Ohne Zweifel war Paulus der erfolgreichste Missionar unter den Aposteln. Die Menschen dort zu erreichen suchen, wo sie sind, war auch die Grundlage für das -Seminar ‚Engagement für die Heilige Schrift‘, das im Sommer 2015 durchgeführt worden ist.

Rundbrief Sommer 2015

Die Baschkiren sind ein Turkvolk, das vornehmlich in Zentralrussland lebt und über eine Million Baschkirisch sprechende Menschen zählt. Wenn wir einen Blick auf ihre Geschichte werfen, merken wir, dass die Baschkiren in einem Gemisch aus Tatsachen und Legenden zum Teil widersprüchlich über ihre eigenen Wurzeln denken. Einige Baschkiren sind überzeugt, dass die erste Erwähnung ihres Volkes in den Aufzeichnungen des griechischen Historikers Herodot zu finden ist, der ihre Vorfahren „Argippäer“ nannte, d.h. „Volk, das am Fuss der Berge wohnt“. Andere sind da vorsichtiger und sagen, dass das Wort „Baschkort“ erst im Mittelalter in arabisch-persischen Chroniken auftaucht...