„Eine Universität für Bibelübersetzer“
Rundbrief Winter 2016–2017

„Wir waren überglücklich, den Ort besuchen zu können, an dem mehrere tausend Jahre zuvor Abraham wahrscheinlich stand und die Stelle sah, die Gott für die Opferung seines geliebten Sohnes Isaak ausgesucht hatte“, sagte einer der Teilnehmer einer Studienreise nach Israel mit tiefen Empfindungen. Die Reise war vom ‚Jerusalemer Zentrum für Bibelübersetzer‘ speziell für kaukasische Übersetzer des ‚Instituts für Bibelübersetzung‘ organisiert worden.

Jeder einzelne dieser Übersetzer ist bereits sehr erfahren auf dem Gebiet der Bibelübersetzung. Etliche von ihnen haben mehrere Bücher der Bibel übersetzt, daneben die jährlichen Übungsseminare und Workshops besucht und sich durch Berge von Literatur gearbeitet… All das war in der Tat eine wichtige Schule. Aber, wie es ein Teilnehmer beschrieb, es war bloss eine Schule. Die Studienreise dagegen war ‚eine Universität für Bibelübersetzer‘! In weniger als elf Tagen war dieser ‚Universitätskurs‘ absolviert, ja mehr als das, er wurde zu einer Erfahrung für Herz, Geist und alle fünf Sinne. Am ersten Tag versprach einer der Instruktoren: „Sie werden dieses Land sehen, riechen und spüren.“ Am Abend des gleichen Tages rief der kumykische Übersetzer aus: „Wie hat sich das bewahrheitet! Vom Beginn weg wurden wir von der Wahrhaftigkeit dieser Worte überzeugt!“

Es war nicht das erste Mal, dass das ‚Jerusalemer Zentrum für Bibelübersetzer‘ (früher ‚Heim für Bibelübersetzer‘) eine Gruppe des IBÜ aufgenommen hat. Jedes Mal bereiten die Mitarbeitenden des Zentrums ein neues Programm vor, das vom Hintergrundwissen und den Besonderheiten in den Übersetzungsprojekten der Gäste abhängt. Immer wieder erfahren diese eine unvergesslich warme, das Gefühl des Willkommenseins vermittelnde Atmosphäre. Die Studiengruppe bestand aus zehn Übersetzern aus dem Kaukasus, welche aus sieben verschiedenen Projekten stammen: Abchasen, Darginer, Inguschen, Kabardiner, Kumyken, Laken und Tabassaraner. Eine Besonderheit war, dass die Gruppe nicht nur aus Christen bestand. Bloss vier Teilnehmer waren Christen, die anderen waren Muslime, was nicht überrascht, wenn man bedenkt, dass der Islam die Hauptreligion unter den kaukasischen Kulturen ist. Für die Mitarbeitenden des JZBÜ war es eine herausfordernde, schwierige Aufgabe, für diese interreligiöse Gruppe zu planen. Viele Fragen tauchten auf: Würden die Gruppenmitglieder untereinander und mit den Instruktoren eine gemeinsame Sprache finden? Würden sich Unstimmigkeiten und Konflikte vermeiden lassen? „Nach und nach kommen wir uns näher. Gute Kommunikationsfähigkeit ist genauso nützlich wie gute Bildung“, berichtete der darginische Teilnehmer am zweiten Reisetag aufgeräumt, während sein tabassaranischer Mitreisender durch die Ereignisse des Tages zu philosophischen Überlegungen angeregt wurde: „Alles, was wir heute gesehen haben, ist unglaublich beeindruckend. Mich beschäftigt mehr und mehr die Frage, warum die Menschen nach einem so langen geschichtsträchtigen Weg immer noch kein Verständnis dafür haben, dass es nur einen Gott gibt und dass wir lernen sollten, in Frieden und Harmonie, statt in tödlicher Feindschaft miteinander zu leben.“

Obwohl es eine Bildungsreise war, gelang es unsern Übersetzern, nicht bloss Wissenschaftler, sondern auch Pilger zu sein. „Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich je die Gelegenheit haben könnte, mit meinen eigenen Händen den Sarkophag des Propheten Samuel zu berühren. Es war ein unbeschreibliches Gefühl!“ „Auf die Steine zu treten, über die vor Jahrtausenden die Propheten gegangen sind, geht über mein Fassungsvermögen hinaus!“ „Wir sahen die Orte, durch die Abraham mit seinen Herden wanderte. Ich war von Ehrfurcht erfüllt.“ Und es war ein Muslim, der in sein Reisetagebuch notierte: „Ich nehme an, dass es der tiefste Wunsch eines jeden ist, der auf irgendeine Weise Kontakt mit der Bibel hat, den Ort zu besuchen, an dem Jesus getauft worden ist. Für mich ist dieser Traum heute wahr geworden.“

Die IBÜ-Gruppe bestand aus einigen Wissenschaftlern, aus Universitätsprofessoren und aus Fachleuten der Literatur – und es waren alles Männer. Doch sogar für sie, die doch einen weiten Horizont und viel Lebenserfahrung haben, wurde die Reise nach Israel zu einem echten Kulturschock, der eine Reihe von festen Meinungen auf den Kopf stellte. Lasst uns auf ihre persönlichen Entdeckungen hören: „Heute habe ich erfahren, dass der Brunnen, in den Josef von seinen Brüdern geworfen wurde, kein gewöhnlicher Brunnen war, sondern eine Zisterne, die Regenwasser auffängt.“ „Ich war völlig überzeugt, eine Wüste sei eine öde Sandsteppe, aber die Judäische Wüste ist etwas ganz anderes. Daran werde ich denken müssen, wenn ich bestimmte Episoden der Bibel übersetze.“ „Ich stand da, betrachtete den Stall und fragte mich, ob ich denn vorher wirklich verstanden hatte, was ein Stall ist. Und ich musste die Frage mit Nein beantworten. Beim Übersetzen dieses Wortes werde ich entscheiden müssen, ob es eine Fussnote brauchen wird. Der Stall von Bethlehem unterscheidet sich sehr von einem darginischen Stall…“

„Viele bereits übersetzte Texte werden eine Revision benötigen, manche Ausdrücke müssen geändert werden,“ fasst ein Teilnehmer zusammen. „Und wenn es uns schwerfällt, das richtige Wort zu finden, so ist das o.k., wir werden unser Bestes geben und schliesslich eine Lösung finden. Wichtig ist, dass wir nun genau wissen, was hinter so manchem biblischen Begriff steht“, fügt ein anderes Gruppenmitglied bei.

Die Übersetzer tauchten auch in die symbolischen Tiefen mancher Texte ein. Einige bemerkten, dass es in der Geschichte von Simson und seiner philistäischen Braut in Richter 14,3 einen Satz gibt, der in vielen Sprachen mit ‚Sie gefällt mir‘ übersetzt wird, während es im Urtext heisst ‚Sie hat Gefallen gefunden in meinen Augen‘. Er liebte also nur mit den Augen. Hier muss man die Tatsache bedenken, dass Simson später die Augen ausgestochen wurden und er so auf tragische Weise das Sehvermögen verloren hat. So gebe eine wörtliche Übersetzung die Tiefen des Textes oft besser wieder. „Beim Besuch des Gartens Gethsemane“, so berichtet ein anderer Übersetzer, „lenkte der Instruktor unsere Aufmerksamkeit auf den Symbolgehalt des Wortes ‚Gethsemane‘ (Ölpresse). Tatsächlich war Jesu irdischer Weg so hart wie das Zermalmt werden in einer Presse…“

Gegen das Ende der Reise schmiedeten einige Übersetzer bereits kreative Pläne. „ Mir kam die Idee, einen Gedichtzyklus über biblische Themen auf Tabassaranisch zu schreiben. Das würde das Interesse der Tabassaraner an der Bibel wecken.“ „Ich habe beschlossen, nach meiner Rückkehr eine Übersetzung des ‚Unser Vater’ in die beiden Varianten der tscherkessischen Sprache zu versuchen. Diese werden wir, geschmückt mit den tscherkessischen Hoheitszeichen, nach Israel schicken, damit auch unsere Sprache die Wände der ‚Paternoster-Kirche‘ auf dem Ölberg schmückt.“

Einer der Reisenden drückte seinen Herzenswunsch an das IBÜ so aus: „Möge Gott Ihnen Geduld und Kraft schenken, um das begonnene Werk zu vollenden. Es ist ein sehr schwieriger und komplizierter Prozess, aber der Allmächtige ist allen nahe, die sein Werk tun. Und die Bibel ist Gottes Wort, daher ist die Bibelübersetzung Gottes Werk.“

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