Rundbrief. Frühling 2020

Anlässlich von Übersetzungs-Workshops kommen viele Übersetzungsteams zusammen, um gemeinsam praxisbezogen zu arbeiten und um ihre Erfahrungen miteinander und mit ihren Beratern auszutauschen. Der ganze Prozess gleicht einer überaus intensiven Brainstorming-Sitzung. Die Intensität dieser Arbeit führt zu neuen Entscheidungen in einer Übersetzung, manchmal sogar zu völlig neuen Zugängen zum Übersetzen an sich. Wenn wir bei einem solchen Workshop mit den verschiedenen Übersetzerinnen und Übersetzern sprechen, erhalten wir einen kleinen Einblick in die Komplexität ihrer Arbeit. In diesem Rundbrief möchten wir einige Eindrücke mit Ihnen teilen, die wir anlässlich des kürzlich abgehaltenen Workshops erhielten. Es ging dabei um die Kleinen Propheten, wobei das Hauptaugenmerk auf Haggai, Zephanja und Joel lag.

Rundbrief, Winter 2019-2020

Eine alte abchasische Legende erzählt von einer Witwe, deren Mann getötet worden war und die ihre drei Söhne allein erzog. Als diese herangewachsen waren, kam die Zeit, da sie nach dem Gesetz der Ahnen ihren ermordeten Vater rächen sollten. Aber welcher von ihnen sollte der Rächer sein? Die Witwe schlug vor, für die Entscheidung zu losen.

Rundbrief, Sommer 2010

 Die Bibel gut zu übersetzen, ist kein einfacher Prozess. Von jedem übersetzten Text werden wenigstens vier aufeinander folgende Entwürfe gemacht, wobei in jedem Stadium verschiedene Überprüfungen vorgenommen werden: exegetische Überprüfung, internes Nachprüfen, sprachwissenschaftliches Redigieren, Tests mit Einheimischen, Durchlesen mit dem sprachwissenschaftlichen Berater, externes Überprüfen usw. Aber selbst wenn die Übersetzung beendet, das Buch veröffentlicht und in der entsprechenden Sprachregion angekommen ist, muss es doch irgendwie zu den Lesern kommen, und auch das ist keine einfache Aufgabe...

Rundbrief, Frühling 2019

Um die Mitte des letzten Jahrtausends vor Christus schlossen sich im östlichen Transkaukasus (auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan) 26 Stämme zu einem Bündnis zusammen. Sie bildeten das polyethnische Königreich Kaukasisch-Albanien, das im 4. Jahrhundert nach Christus das Christentum als Staatsreligion annahm. Teile der Bibel wurden in die kaukasisch-albanische Sprache übersetzt, die zur lesginischen Sprachfamilie gehörte. Diese Übersetzung ging jedoch während des Mittelalters verloren. Teile davon wurden in der jüngsten Vergangenheit wieder entdeckt. Zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert kam der Islam in der Gegend an die Herrschaft, und so sind die lesginischen Völker heute mehrheitlich Muslime. Sie praktizieren einen volkstümlichen Islam, es sind aber auch Spuren der christlichen Vergangenheit erkennbar, und in den Volksbräuchen kann man noch Spuren des alten Heidentums finden.

Rundbrief, Winter 2017-2018

Was braucht es, um ein Bibelübersetzer zu werden? Bei einer sehr kleinen ethnischen Gruppe mit einer vom Aussterben bedrohten Sprache genügt es manchmal, dass jemand seine Muttersprache gut kennt, auch wenn es bloss die gesprochene Form ist. Bei grösseren Sprachgruppen mit einer gut entwickelten Schriftsprache sind die IBT-Übersetzer meistens Fachleute auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft oder der Literatur. Das ist die Situation im darginischen Projekt des IBT. Gegenwärtig besteht dieses Team aus zwei Übersetzern und einem Anwärter, einem dritten möglichen Übersetzer. Alle sind sie Spezialisten ihrer Sprache. Aber berufliches Interesse an der Sprache allein führt jemanden mit einer anderen religiösen Tradition noch nicht in ein Bibelübersetzungsprojekt. Was motiviert sie dann, diesen Pfad einzuschlagen?