Das Übersetzen ist wie ein Samenkorn, das zur Blume erblüht…
Rundbrief, Winter 2017-2018

Was braucht es, um ein Bibelübersetzer zu werden? Bei einer sehr kleinen ethnischen Gruppe mit einer vom Aussterben bedrohten Sprache genügt es manchmal, dass jemand seine Muttersprache gut kennt, auch wenn es bloss die gesprochene Form ist. Bei grösseren Sprachgruppen mit einer gut entwickelten Schriftsprache sind die IBT-Übersetzer meistens Fachleute auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft oder der Literatur. Das ist die Situation im darginischen Projekt des IBT. Gegenwärtig besteht dieses Team aus zwei Übersetzern und einem Anwärter, einem dritten möglichen Übersetzer. Alle sind sie Spezialisten ihrer Sprache. Aber berufliches Interesse an der Sprache allein führt jemanden mit einer anderen religiösen Tradition noch nicht in ein Bibelübersetzungsprojekt. Was motiviert sie dann, diesen Pfad einzuschlagen?

 Vor einigen Jahren berichtete der erste der jetzigen Übersetzer (nennen wir ihn Ibrahim), folgendes über seine Haltung zur Arbeit beim IBT: „Was mich bei meiner Arbeit am meisten interessiert, ist der Übersetzungsprozess an sich. Zweitens ist es die Möglichkeit zu sehen, wie alle Sprachen der Welt die gleiche wunderbare Fähigkeit haben, die schwierigsten Bedeutungsinhalte der Bibel auszudrücken, auch wenn sie es auf sehr unterschiedliche Weisen tun. Leider kann ich nicht englisch, aber Gott sei Dank, kann ich gut russisch. Noch grösserer Dank gebührt Gott, dass ich die darginische Sprache so gut kenne, dass ich meinem Volk die kraftvollen Texte der Bibel übermitteln kann. Der dritte Grund ist Eigeninteresse: Als Wissenschaftler spezialisiere ich mich in der Wortschatzforschung und arbeite an einem darginisch-russischen Wörterbuch. Die Bibelübersetzung hilft mir sehr bei dieser Arbeit. Dank meiner Erfahrung auf diesem Gebiet habe ich Dutzende alter darginischer Wörter und urtümlicher Ausdrücke gefunden. Das hat unserem Team geholfen, den darginischen Wortschatz ausgiebiger zu nutzen. Wir prägten sogar einige neue Ausdrücke. Warum nicht? Übersetzen ist auch eine Kunstform. In der Übersetzungsarbeit beim IBT liebe ich vor allem die Phase der Kontrolle mit den Einwohnern. Meine Nachdiplomarbeit beschäftigte sich mit darginischen Studien. Es gibt so viele Leute, die die darginische Schriftsprache nicht gut kennen und daher auch von der Bibel keine Ahnung haben. Sie kennen überhaupt keine heiligen Schriften, weder muslimische noch christliche. Wenn diese Leser dann merken, dass es solche Übersetzungen gibt, ist das für sie wie eine Offenbarung. Sie sind ganz begeistert, lernen diese Texte zum ersten Mal in ihrem Leben kennen und wundern sich, dass so etwas überhaupt existiert.“

Vor zwei Jahren schloss sich ein zweiter Übersetzer dem Team an. Wir nennen ihn Suleiman. Er ist Philologe und hat während vielen Jahren für eine darginische Literaturzeitschrift gearbeitet. So war er im schriftlichen Darginisch nicht weniger kompetent als Ibrahim. Mit der Bibel hatte er aber noch keine Erfahrung. Der Exeget des Projekts beobachtete die ersten Reaktionen des neuen Teammitglieds beim Bibellesen, und er freute sich, diese so zu beschreiben: „Suleiman tauchte in den Text ein und rief dann aus: ‚Hier kann das wirkliche Wesen gefunden werden‘!“ Nach zwei Jahren hat sich die anfängliche Freude noch nicht verloren. In dieser Zeit hat Suleiman die Bücher Jona und Ruth erfolgreich übersetzt. Jetzt arbeitet er am Buch Esther. Er spricht über seine neue Leidenschaft für diese Texte: „Bei Esther erwähnen die Personen Gott nicht direkt, aber du kannst seine Gegenwart durch die ganze Geschichte spüren. Warum habe ich vorher nichts über diese Dinge gewusst? Wie schade, dass ich früher all das Wichtige, das ich hier sehe, nicht wahrgenommen habe! Hätte ich doch diese Texte vor 20, 30 Jahren studieren können! Das ist die geistliche Nahrung, nach der ich so viele Jahre gedürstet habe. Das verleiht mir Flügel!“

Am Seminar über den Pentateuch, das kürzlich beim IBT abgehalten worden ist und wo dieses Gespräch stattgefunden hat, war Ibrahim interessanterweise nicht weniger begeistert als sein Kollege. Bei ihm war der Grund jedoch rein professioneller Art. Sein zunehmendes Engagement für die Bibelübersetzung lässt in ihm den Wunsch aufkommen, die biblischen Originalsprachen zu lernen: „Während der letzten zwei Jahre haben wir, der neue Exeget und ich, eine grosse Arbeit mit der Überprüfung der neutestamentlichen Bücher geleistet. Wir prüften jeden Laut, jeden einzelnen Buchstaben, und wir fanden immer noch präzisere, passendere, für den Leser noch klarere Ausdrücke als in der ersten Version der Übersetzung. Zum Beispiel sagte der darginische Text in der früheren Fassung, dass Johannes der Täufer die Leute mit Wasser ‚reinigte‘, aber jetzt ‚taucht er sie im Wasser unter‘. Bei der Überprüfung fanden die Leute die neue Fassung leichter lesbar und verständlicher. Ihre Zustimmung bedeutet eine hohe Wertschätzung dessen, was wir gemacht haben. Durch diese intensive Arbeit kam ich zum Schluss, dass Übersetzer unbedingt die Originalsprachen der Bibel kennen sollten. Ich fand heraus, dass der griechische Satzbau dem darginischen viel näher ist als der russische. Natürlich haben wir die Exegeten, die gut griechisch können, und wir haben spezielle Computerprogramme (Paratext) für Bibelübersetzer, aber wenn ich die Worte im Original direkt, ohne Vermittler, lesen könnte, wäre das Übersetzen leichter. Wir brauchen eine Methode, um die Grundlagen des elementaren Griechisch lernen zu können. So werden wir fähig, unabhängig voranzugehen – wie Vögel werden wir schnell auf unser Ziel zu fliegen!“

Da das Thema unseres Seminars die fünf Bücher Moses waren und diese im darginischen Team als Nächstes dran kommen, gingen wir ganz natürlicherweise vom Griechischen zum Hebräischen über. „Natürlich werden wir nicht künstlich neue Ausdrücke prägen für Wörter, die durch den Koran allen bekannt sind“, fährt Ibrahim weiter. „Zum Beispiel hatten wir hier am Seminar die Aufgabe, in unserer Sprache Ausdrücke zu finden, die den Unterschied zwischen ‚rein‘ und ‚unrein‘ aufzeigen. Auf darginisch ist das ganz klar, weil alle die Wörter haram und halal aus dem Koran kennen. Auch einige biblische Namen sind allen Muslimen aus dem Koran bekannt, wie etwa der Name des Propheten Noah. Aber es gibt auch Wörter, die in unserer Sprache einfach nicht vorkommen. So gibt es beispielsweise kein Wort für ‚Gleichnis‘. Als wir an der Ausgabe der neutestamentlichen Gleichnisse arbeiteten, wählten wir statt ‚Gleichnis‘ das darginische Wort für ‚Sprichwort‘, das aber nicht alle Bedeutungsschattierungen aus dem Kontext wiedergibt. Später entdeckte ich, dass die türkische Bibel dafür das Wort ‚mashal‘ verwendet, das mit dem Hebräischen verwandt ist. Mir ging auf, dass wir dieses Wort im Darginischen auch kennen, obwohl es ein wenig anders tönt. Es kam aus dem Arabischen in unsere Sprache und bedeutet wörtlich ‚zum Beispiel‘. Nun schwebt mir vor, einen zusammengesetzten Ausdruck aus den beiden zu bilden, der dann die Bedeutung hätte: ,ein Sprichwort, das als Beispiel dient‘. Das könnte auch bei der Übersetzung der alttestamentlichen Sprüche verwendet werden.“

Da kam nun auch das dritte Teammitglied ins Gespräch, ein potentieller neuer Übersetzer (nennen wir ihn Ismail). Er legte uns seine Vision von der Arbeit eines Bibelübersetzers dar: „Die Hauptaufgabe des Übersetzers ist Ehrlichkeit. Ohne exegetischen Überprüfer könnte man es auch einmal nicht so genau nehmen, aber das wäre eine Sünde den Leserinnen und Lesern gegenüber. Wenn du einen Gurkensamen säst, solltest du ihn gut bewässern und den Boden düngen. Sonst wird er nicht wachsen. Dasselbe gilt für die Übersetzung: Du musst alle Wörter deiner Sprache mustern und für den Samen eine so gute Umgebung schaffen, dass er als Blume aufblühen kann und nicht vorzeitig welkt.“

Was motiviert nun jemanden, Bibelübersetzer zu werden? In jedem Projekt mag die Antwort unterschiedlich ausfallen. Aber für die drei darginischen Teammitglieder ist ihre Arbeit der Versuch, in ihrem Leben dem „Weg der Wahrheit“ zu folgen (Psalm 119,3), sei es in der Auseinandersetzung mit den Originalsprachen, sei es durch das Suchen und Erkennen des „wirklichen Wesens“, oder sei es durch das Streben nach Ehrlichkeit bei der Übersetzung.

Danke, falls Sie dieses Projekt mit einem Beitrag zur Bezahlung der Arbeit eines Übersetzers unterstützen (ca. 200 CHF pro Monat) könnten.

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