„Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft“
Rundbrief Herbst 2015

Als der Apostel Paulus in Athen Jesus und seine Auferstehung verkündigen wollte, wurde er zum Areopag geführt, da „alle Athener und die Fremden dort nichts lieber taten, als die letzten Neuigkeiten zu erzählen oder zu hören.“(Apg. 17,21) Indem er auf dem Areopag predigte, folgte Paulus einfach der Idee, dass man die Menschen dort abholen sollte, wo sie sind, und nicht dort, wo wir Christen sie haben möchten. Menschen, die etwas Neues hören wollen, suchen nicht notwendigerweise nach Gott, und vielleicht finden sich in der Menge nur wenige, die wirklich bereit sind, auf Gott zu hören. Paulus hatte jedoch keine Angst, vergeblich zu reden. Er tat das, was Gott ihm aufgetragen hatte, und der Herr selber würde den Rest tun. Ohne Zweifel war Paulus der erfolgreichste Missionar unter den Aposteln.

Die Menschen dort zu erreichen suchen, wo sie sind, war auch die Grundlage für das -Seminar ‚Engagement für die Heilige Schrift‘, das im Sommer 2015 durchgeführt worden ist. Die Zeiten, in denen gewöhnliche Bürger auf Strassen und Plätzen des alten Griechenland über theologische Fragen diskutierten, sind endgültig vorbei. In unserer temporeichen und hochtechnologischen Zeit haben die Menschen ein Fülle von Wahl- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Auch wenn sie in der Tiefe ihres Herzens die Wahrheit suchen mögen, so realisieren sie dies mit ihrem Verstand vielleicht gar nicht. Neue Bibelübersetzungen bekannt zu machen und das Interesse dafür zu wecken, ist eine grosse Aufgabe, die viel Zeit, Anstrengung, Phantasie, Wissen, Demut und Opferwillen erfordert, damit das Werk des Herrn in der heutigen Zeit getan werden kann.

Vertreterinnen und Vertreter aus 11 verschiedenen Volksgruppen aus Russland und der GUS nahmen an diesem Seminar teil. Dessen Ziel war, den Teilnehmenden das nötige Rüstzeug zu geben, um das Interesse an der Bibel in ihrer je eigenen Gesellschaft in der bestmöglichen Form zu entfachen. So wurde die Frage diskutiert, welches die am ehesten akzeptierte Art für die Verteilung der Bibelübersetzungen sein könnte (die gedruckte Form, digital, als Video, als CD, als Animation, durch Erzählen von Geschichten etc.). Das IBÜ-Seminar war also nicht so sehr für die Mitarbeitenden in einem Übersetzungsteam, sondern eher für die Benutzer der übersetzten Bibeltexte gedacht. Das sind Leute, die ihre Berufung darin sehen, anderen zu helfen, die Botschaft der Bibel zu hören. Wo ist ihr ganz persönlicher „Areopag“? Wie werden sie die am Seminar aufgenommenen Ideen umsetzen können, und was tun sie schon jetzt aus eigener Initiative? Wir wollen die einzigartigen Geschichten von drei Seminarteilnehmern hören. Sie vertreten drei verschiedene Turksprachen – Altaisch, Krimtatarisch und Tatarisch.

Altaischer Teilnehmer: „Ich bin Pastor in einer altaische Pfingstgemeinde. Bei den Altaiern sehe ich das Hauptproblem darin, dass die Leute noch nicht bereit sind, die Bibel als gedrucktes Buch anzunehmen. Erstens denken sie, dass eine Besonderheit der altaischen Kultur ihre Schriftlosigkeit ist. Es ist eine mündliche Kultur. Wenn man jemandem ein Buch über Gott schenkt, wird er oder sie sich möglicherweise schlicht weigern, es zu lesen. Als Zweites kommt hinzu, dass sich die Familie oder die Sippe von denen abwendet, die Christen werden. In ihren Augen ist man durch die Bekehrung ein Feind des eigenen Volkes geworden, man hat sein Land und sein Zuhause verraten, und man hat sogar das Recht verloren, die Nationaltracht zu tragen. Indem man sich Christus zuwendet, nimmt man einen ‚russischen Gott‘ an! Unser Volk zieht das Zuhören dem Lesen vor – und das ist der Schlüssel zu meiner aktuellen Tätigkeit: Ich arbeite an einer zeitgemässen Audioversion der Psalmen, die zeitgemässen Situationen angepasst ist und einen zeitgemässen Wortschatz verwendet. So entsteht eine besser verdauliche Form der biblischen Weisheit im Rhythmus der altaischen Poesie. In der Gemeinde lese ich die Psalmen nicht vor, ich singe sie! Ich bin ein Kehlkopfsänger, das ist unsere nationale Kunstform. Wenn ich an einem Gesangswettbewerb teilnehme, singe ich Psalmen vor. So bereite ich die altaischen Zuhörer darauf vor, die biblische Weisheit aufzunehmen. Einmal fragte mich eine Mitschwester, die in einem Spital arbeitet, ob es altaische Gebete gebe. Ich schrieb ihr ein paar Psalmen auf, und die Patienten im Spital fingen an, diese als ihre persönlichen Gebete zu verwenden. Ihre Rückmeldungen waren sehr positiv.“

Krimtatarischer Teilnehmer: „Alle Krimtataren wissen, dass ihre frühen Vorfahren Christen waren, doch heutzutage findet man unter der älteren Generation keine Christen mehr. Alle sind Muslime. Am Seminar war für mich das Geschichtenerzählen sehr wichtig. Unser Volk liebt Geschichten! Einmal traf ich sogar jemanden, der mir sagte, dass alle Erzählungen Puschkins auf krimtatarische Volksmärchen zurückgehen. Wir haben eine reiche Tradition an Geschichten und Märchen aller Art. Wenn ich Geschichten erzähle, gebrauche ich Geschichten von Jesus und von den Propheten aus der Bibel und aus dem Koran. Wenn man Geschichten auf Krimtatarisch erzählt, verstehen die Leute sie, auch wenn ihnen der Wortschatz fehlen mag. Sie spüren sofort: „Es geht um unsere ureigene Angelegenheit!“ und sie interessieren sich dafür. Wenn sie in die Moschee gehen, denken sie nicht viel über Religion nach. Sie akzeptieren einfach gewisse Regeln, von denen sie denken, sie seien für ihr Leben obligatorisch. Wenn man aber denselben Leuten eine Geschichte erzählt, beginnen sie, selbständig zu denken und Fragen zu stellen. Ihr Interesse ist geweckt. Wenn die Leute mir sagen, sie seien Muslime, erzähle ich Geschichten aus dem Koran und preise Gott dafür, dass sie ‚Muslime‘ sind, denn ‚Muslim‘ heisst ‚Gott treu und gehorsam‘. Die Hauptsache ist, dass sie zu denken anfangen und ihre eigenen Fragen stellen. Ich organisiere christliche Sommerlager für Kinder, und einige wenige muslimische Krimtataren erlauben ihren Kindern, daran teilzunehmen. Vor dem ersten Lager schlug ich den Eltern vor, dass sie ihre Kinder im folgenden Jahr nicht mehr ins Lager schicken sollten, wenn diese nach dem Lager nicht besser geworden seien. Im Lager singen wir Lieder auf Krimtatarisch, und ich ermuntere die Kinder, während den Bibelstunden krimtatarisch zu sprechen. Im ersten Jahr hatten wir 27 Kinder, im Jahr darauf 46, dann 55, und letztes Jahr hatten wir in unseren Sommerlagern mehr als 60 Teilnehmende.“

Tatarischer Teilnehmer: „Ich bin ein pfingstlicher Pastor. Einmal wurden einige Brüder unserer Gemeinde gebeten, eine ältere Frau zu besuchen, die gestürzt war und sich verletzt hatte. Sie brauchte Trost, denn sie hatte grosse Schmerzen und konnte nachts nicht schlafen. Unsere Brüder hatten ein tatarisches Evangelium bei sich, und sie schlugen ihr vor, dieses Buch zu lesen. Die Frau aber sagte, als Muslime dürften weder sie noch ihre Angehörigen christliche Schriften lesen. Da hatte einer der Brüder die Eingebung zu fragen, ob es denn erlaubt wäre, dass er ihr aus dem Buch vorlese. „Warum nicht?“ antwortete sie. „Gewiss dürfen Sie vorlesen.“ So fing er an, alle Stellen vorzulesen, wo erzählt wird, wie Jesus Menschen heilte. Danach fragte er die Frau, ob sie für sie beten dürften, und sie willigte gerne ein. Nach diesem Gebet schlief sie die ganz Nacht friedlich durch und begann dann auch, selber zu beten. Christen besuchten sie weiterhin, und wenn sie kamen, bat die Frau ihre Angehörigen, ihr ein Tuch zum Bedecken ihrer Haare zu bringen, und begann dann, innig zu beten. Nach einiger Zeit begann sie sich, für das Leben Jesu zu interessieren, und so wurde ihr wieder aus dem Evangelium vorgelesen. Sie erkannte sich als Sünderin und bekannte ihre Sünden. Nach dem ersten Kontakt mit Christen lebte sie noch 1½ Jahre, dann starb sie friedlich. Am Tag vorher hatte sie noch einige christliche Schwestern eingeladen, an ihrem von Herzen kommenden Gebet auf Tatarisch teilzunehmen. Ihre Angehörigen baten die Christen, sie weiterhin zu besuchen, wann immer sie in der Nähe ihres Dorfes wären. So werden durch biblische Texte interkulturelle Brücken gebaut.“

Diese drei Berichte zeigen den mündlichen Gebrauch der Heiligen Schrift. Gott inspiriert seine Diener mit unerwarteten Ideen, wenn sie nicht davor zurückschrecken, ihm ihre Stimme zur Verfügung zu stellen. In der Zeit der Apostel wurde die Schrift immer laut vorgelesen, da die Menschen noch nicht gewohnt waren, still zu lesen. Vielleicht beginnt selbst in unserer Ära neuer Technologien wieder eine Zeit, in der „der Glaube aus dem Hören der Botschaft kommt, und die Botschaft kommt aus dem Wort Gottes.“ (Römer 10, 17)

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