Ein Meilenstein auf dem Weg zur Lesginischen Bibel: Das Neue Testament
Rundbrief, Frühling 2019

Um die Mitte des letzten Jahrtausends vor Christus schlossen sich im östlichen Transkaukasus (auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan) 26 Stämme zu einem Bündnis zusammen. Sie bildeten das polyethnische Königreich Kaukasisch-Albanien, das im 4. Jahrhundert nach Christus das Christentum als Staatsreligion annahm. Teile der Bibel wurden in die kaukasisch-albanische Sprache übersetzt, die zur lesginischen Sprachfamilie gehörte. Diese Übersetzung ging jedoch während des Mittelalters verloren. Teile davon wurden in der jüngsten Vergangenheit wieder entdeckt. Zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert kam der Islam in der Gegend an die Herrschaft, und so sind die lesginischen Völker heute mehrheitlich Muslime. Sie praktizieren einen volkstümlichen Islam, es sind aber auch Spuren der christlichen Vergangenheit erkennbar, und in den Volksbräuchen kann man noch Spuren des alten Heidentums finden.

Seit langem hegte das IBT den Plan, die vollständige Bibel in eine der 10 zu der lesgischen Sprachfamilie zählenden Sprachen, die heute gesprochen werden, zu übersetzen. Die vor kurzem erfolgte Publikation des lesgischen Neuen Testaments ist ein entscheidender Schritt auf die Erfüllung dieses Traumes hin. Die Übersetzungsberaterin des Projekts, Marianne Beerle-Moor, fühlte sich vor 40 Jahren zum lesginischen Volk und seiner Sprache hingezogen, als sie Ende der 1970er Jahre eine erste touristische Reise nach Moskau unternahm. (In der Sowjetzeit konnten Schweizer Bürger nur als Touristen nach Russland reisen). In einer Buchhandlung fand Marianne eine kleine Grammatik der lesginischen Sprache. Für jede andere Person hätte dieser Zufallsfund keine Konsequenzen gehabt, aber Marianne war Sprachwissenschaftlerin mit einem speziellen Interesse für kaukasische Sprachen, und dieses kleine Buch wurde zu einem Licht, das ihren weiteren Weg erhellte. So machte sie sich auf eine Reise, die sie selber als ‚Abenteuer‘ beschreibt – ein lebenslanges Abenteuer. Marianne schrieb ihre Dissertation über das lesginische Verb mit dem Ziel, im lesginischen Bibelübersetzungsprojekt als Exegetin mitzuwirken. Aber es folgten viele unerwartete Ereignisse, und sie musste ‚am anderen Ende‘ beginnen, indem sie von 1997 bis 2013 das Institut für Bibelübersetzung in Moskau leitete. Das ist jedoch eine andere Geschichte, darum wollen wir in den heutigen Stand des lesginischen Projekts eintauchen.

Heute besteht das Übersetzungsteam aus drei Übersetzern mit lesginischer Muttersprache, einem Exegeten aus Deutschland und einer Verständlichkeitsüberprüferin. Einer der Übersetzer ist ein begabter Dichter, der eifrig versucht, den poetischen Stil des Originals in seiner Übersetzung wiederzugeben. Eine Episode in der Übersetzungsgeschichte der lesginischen Bibel ist verbunden mit diesem Dichter und soll hier erzählt werden. Der erwähnte Übersetzer hatte beschlossen, sich aus dem Projekt zurückzuziehen, aber die Teammitglieder wollten seine Beiträge und die Partnerschaft mit ihm nicht verlieren. Sie baten ihn, doch weiterzufahren. „Es gibt noch so manchen unübersetzten poetischen Text in der Bibel, wir können es ohne dich nicht schaffen“, beklagten sie sich, und um das zu untermauern, erwähnten sie die Psalmen. So bat er um eine Audioaufnahme des hebräischen Texts, um selber zu entscheiden, ob die Psalmen tatsächlich poetisch sind. Zu jener Zeit war noch gar nicht geplant, mit der Übersetzung der Psalmen zu beginnen, aber das Team fand eine entsprechende Aufnahme und gab sie dem Kollegen. Der nahm sich genug Zeit, auf die Melodie der ihm unbekannten alten Sprache zu hören, dann fasste er kurz zusammen: „Ich habe eine Idee, wie ich die Psalmen übersetzen kann“. Das unmittelbare Resultat war, dass der Dichter im Projekt verblieb, und alle atmeten erleichtert auf. Niemand erwartete weitere Entwicklungen. Normalerweise werden im IBT die Übersetzer durch einen Exegeten auf die Übersetzung eines biblischen Buches vorbereitet. Erst dann wird der eigentliche Auftrag erteilt. So kann man sich den Schock des Exegeten vorstellen, als eines Tages der Übersetzer-Dichter zu ihm kam und verkündete: „Ich habe die Psalmen fertig übersetzt“. Ohne Plan! Ohne Vorbereitung! Die vorgetragene hebräische Sprachmelodie war die einzige benötigte ‚Einführung‘ für den Dichter-Übersetzer, um mit der Arbeit zu beginnen. Er brauchte nichts anderes. Eine noch grössere Überraschung war es, als der Exeget diese spontane Übersetzung las: Er war mit deren Qualität zufrieden. Natürlich war es ein erster Entwurf, und es mussten noch alle Stadien der Überarbeitung durchlaufen werden, aber die Tatsache bleibt, dass die Psalmen auf höchst ungewöhnliche Weise ins Lesginische übersetzt wurden. Es war, als hätte ein moderner Dichter den Ruf seiner Dichterbrüder von vormals durch die Jahrhunderte hindurch gehört, ungeachtet der kulturellen und sprachlichen Barrieren.

Nun hofft der Übersetzer, dass einige der Psalmen in der alten kaukasisch-albanischen Schrift gedruckt werden können. Diese ist durch Linguisten am Ende des 20. Jahrhunderts entziffert  und vor einigen Jahren in Unicode digitalisiert worden. Diese ‚Wieder-Geburt‘ des kaukasisch-albanischen Alphabets leuchtet als helles Licht in den Herzen der lesginischen Teammitglieder. Die Entdeckung des Alphabets ihrer Vorfahren (so alt wie die georgische und die armenische Schrift) ist ein unbestreitbarer Beweis für die alten Wurzeln ihres Volks. Wegen der biblischen Bruchstücke, die die entzifferten kaukasisch-albanischen Manuskripte enthielten, bekam auch das Bibelübersetzungsprojekt eine neue Tiefe

Der Koordinator des Projekts, der zugleich als Exeget mitwirkt, ist gebürtiger Deutscher und von Beruf ursprünglich Ingenieur. Er zeichnet alle Pläne des Projekts in Diagrammen auf, in denen er in Prozenten und in verschiedenen Farben die getane und die verbleibende Arbeit hervorhebt. Seine exakte Herangehensweise unterscheidet sich sehr vom typischen dagestanischen Leben, in dem Planung völlig unüblich ist. In der eher patriarchalen Gesellschaft haben die Menschen eine gänzlich andere Haltung zu der Zeit. Sie setzen andere Prioritäten: Menschliche Beziehungen, die Pflichten gegenüber Verwandten und Freunden inbegriffen, kommen immer an erster Stelle, dann erst kommt die Arbeit. Darum kann die Übersetzungsarbeit nicht so schnell wie geplant voranschreiten. Zudem sollen die übersetzten Texte auch für die Lesgier in Aserbaidschan verstanden werden. Dort existiert ihre Muttersprache vor allem in der gesprochenen Form und entwickelt sich ein wenig anders als in Dagestan. Aserbaidschanische Lesgier sind sich der vielen Turk-Lehnwörter bewusster, und sie suchen nach originalen lesginischen Ausdrücken. Da sie zweisprachig sind, unterscheiden sie problemlos zwischen aserischen und lesginischen Wörtern und versuchen so, die Reinheit ihrer Muttersprache zu erhalten. Darum sind alle vom IBT-Team übersetzten Bibeltexte auch unter den Lesgiern in Aserbaidschan überprüft worden. Zu diesem Zweck sind zwei christliche Frauen aus Aserbaidschan als externe Überprüferinnen zum Projekt gestossen. Sie organisierten Lesungen in Baku, so dass die lesginischen Gläubigen der aserischen Kirchen diese Übersetzung als die Bibel, die sie sich zu eigen machen möchten, kennen lernen konnten. Zwischen den beiden Überprüferinn en und den Übersetzern entwickelte sich eine Atmosphäre von gegenseitigem Respekt. Hohe linguistische Professionalität auf der einen Seite und tiefe Kenntnis der Bibel auf der anderen bildeten eine solide Grundlage für gegenseitige Bereicherung und Zusammenarbeit.

Es ist zwar kein schneller Prozess, aber der halbe Weg ist zurückgelegt: das lesginische Neue Testament ist publiziert worden.

Für einen Beitrag an die technische Aufbereitung einer APP für das lesginische Neue Testament wären wir sehr dankbar.

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